Ein seltener Vogel: Basilisk 1798

Im turbulenten Jahr 1798 hat der Basler Vogel Basilisk sicher einige Federn gelassen. Ob man allerdings den ‹seltenen Vogel› (rara avis) am Schwanz ziehen darf – oder soll – bleibt zweifelhaft. Basiliskenkenner jedenfalls raten von Hautkontakt mit dem giftigen Tierchen dringend ab. Auch der Bebbi an sich wird es kaum begrüssen, wenn sein Haustierchen gequält wird.

 

Die Abbildung stammt aus dem Basler Jahrbuch 1902, S. 107.

Goldene Basilisken auf dem Basler Jahrbuch

Über etliche Jahre bestand der Einband des Basler Jahrbuches aus einem grünen Stoff mit edler Goldprägung. 
Wer genau hinsieht, erkennt zwei Basilisken mit Basler Wappenlschild. 

 

Zwei Basilisken als Schildhalter auf dem Einband des Basler Jahrbuchs (1902). Photo: Alwin Seiler.

Das gezeigte Beispiel stammt vom Band 1902 (Exemplar Historisches Museum Basel).
Für die Aufnahme, auf der man mehr sieht als am Original, danken wir herzlich Alwin Seiler.

Basilisken: Elemente und Typen

Es gibt ihn nicht ‹DEN› Basilisken, wer genau hinschaut entdeckt und der den Myriaden von bösen, fiesen und grausamen Giftdrachen und Kampfhähnen, die man gemeinhin Basilisk nennt, mindestens 28 verschiedene Typen. 

Eine schematische Aufstellung soll helfen den Überblick zu behalten … oder zu gewinnen.

Viel Spass bei der Basiliskensafari.

 

Basilisken, Elemente.

Basilisken, Elemente.

 

Typologie der Basilisken

Basilisken, Typologie.

Basilisken, Typologie.

 

Mehr dazu:
Hofmeier, Thomas, Basels Ungeheuer. Eine kleine Basiliskenkunde (Basiliskologie), secretBasel 2, Berlin & Basel 2016.

Basilisk als Ungeziefer

Im vielfältigen Tierreich platziert Johannes Sperling den Basilisken unter dem Ungeziefer und Gewürm. Der bei Sperling gezeigte Basilisk ist vom Typ 10. 

 

Sperling, Zoologia, 1661, Frontispiz/Vortitel.

 

Basilisk aus Sperling, Zoologia, 1661 (manipuliertes Detail).

 

Bilder aus:
Johannes Sperling, Zoologia physica posth.[huma] brevi & perspicuo ordine, ab ipso, cum in vivis esset, Autore adornata. Ex indultu & privilegio Elect. Sax.. Accessit in fine, Disputationum zoolog. Hexas, De Basilisco, Unicornu, Phoenice, Behemoth & Leviathan, Dracone ac Aranea, M. Georgi Casp. Kirchmaieri, Franci, Facult. Philos. Witteb. Adjuncti., Leipzig, Wittenberg, Officina Bauer,Johannes Bergers Erben, 1661. 8°, pp. [24], 466.

Mehr dazu:
Hofmeier, Thomas, Basels Ungeheuer. Eine kleine Basiliskenkunde (Basiliskologie), secretBasel 2, Berlin & Basel 2016, S. 6 und 89 Sperling, 48–49 die 28 Typen der Basilisken, 85–88 Typologie der Basilisken. 

Die Typologie der Basilisken: 

 

Büchel, Petersplatz, 1764

Emanuel Büchel hat 1764 eine Ansicht vom Petersplatz gezeichnet, auf der das Zeughaus, die Dächer des Spalentors und das Stachelschützenhaus zu sehen sind. Ins Auge sticht der grosse Pavillon im Zentrum des Platzes. Für Basiliskenjäger interessant ist hingegen das Relief über der Tür des Zeughauses, ganz links im Bild. Es handelt sich offensichtlich um das heute am Gewerbemuseum angebrachte Bild mit zwei Löwen und einem Basilisken, die gemeinsam das Basler Wappen halten. 
Auf Merians Ansicht vom Petersplatz lässt sich dasselbe Relief an abweichender Position über einer anderen Tür  erahnen. Klassischer Fall von Basiliskenmigration. 

Emanuel Büchel, Petersplatz, 1764.

Emanuel Büchel, La Place de St. Pierre de Bâle. [Basel] 1764.
Zentralbibliothek Zürich, STF XVI, 29,
http://dx.doi.org/10.3931/e-rara-44857 / Public Domain Mark

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Roter Basilisk, Amalgmatio

Als Symbol für die Amagation (Verbindung) kann der Basilisk in der Alchemie auftreten. 

 

 

Amalgmatio (Amalgation/Verbindung)

So nun der drakh gestorben ist

so mach darauß ein basilisc

dießen basilisgen nun

solt du mit spiegeln töden thun

 

Aus: Gamper, Rudolf / Hofmeier, Thomas, Das Alchemiehandbuch des Appenzeller Wundarztes Ulrich Ruosch, Basel 2002, S. 34.

https://www.secret-basel.ch/publikationen/alchemiehandbuch/

Basilisk auf Bibel 1525

Auf dem Titelblatt eines Basler Bibeldrucks 1525 (Lutherbibel, deutsch) erhalten die vier Evangelisten Matthäus/Mensch, Johannes/Adler, Lukas/Stier und Markus/Löwe Gesellschaft von zwei Basilisken mit dem Basler Wappenschild. Das Titelblatt ist von keinem Geringeren als Hans Holbein.

 

Basilisk Bibel Bild Titelblatt.

Die beiden Evangelisten Matthäus und Johannes (Adler) mit zwei Basilisken.

 

[Martin Luther], Das neuw Testament recht grüntlich teütscht. Mit gantz gelerten und richtigen vorreden, und der schweresten örteren kurtz, aber gut auslegung. Ein gnugsam Register, wo man die Epistlen und Evangelien des gantzen jars in disem Testament finden soll. Die auslendigen wörtter, auff unser teütsch gewendet und gebessert, Basel, Adam Petri, 1525.

Das Exemplar der Universitätsbibliothek: http://www.e-rara.ch/bau_1/content/titleinfo/219271

Basilisk als Wasserzeichen 1520

Aus Draht gebogen und auf das Schöpfsieb des Papiermachers montiert ist dieser Basilisk im Jahr 1520 ein schöner Herkunftsnachweis.

 

 

Entdeckt auf als Abbildung auf dem Titelblatt von Bonjour, Edgar, Basels Politik und Wirtschaft im Schweizerbund, Basel [1951].

Basilisk von 1448

Zum ersten Mal als Wappenhalter Basels tritt der Basilisk in einer hier 1448 von Johann Maiger de Werdenberg angefertigten, doch nun in der Berliner Staatsbibliothek aufbewahrten Handschrift auf. Über dem Bild steht der Spruch: 

basellischgus du giftiger wurm und boeser fasel, 

nu heb den schilt der wirdigen stat basel

Ansonsten enthält die Handschrift eine Abschrift der Erbauungsschrift Die 24 Alten, welche der Basler Franziskaner Otto von Passau 1386 im hiesigen Barfüsserkloster verfasst hatte. 

 

Trotz der Beschriftung «Anno Domini 1448» dürften die Läckerli in dieser Packung deutlich jünger gewesen sein.

Für einen anderen Läckerli-Basilisken vgl. https://www.secret-basel.ch/basilisk-als-laeckerli/

 

 

Literatur:

Lucas, Jana, Europa in Basel. Das Konzil von Basel (1431–1449) als Laboratorium der Kunst, Basel 2017, 397, Abb. 13 (für das Bild aus der Handschrift).

Hofmeier, Thomas, Basels Ungeheuer. Eine kleine Basiliskenkunde (Basiliskologie), secretBasel 2, Berlin, Basel 2016, 83–84.

Major, Emil, Ein Gemälde aus der Basler Konzilzeit in: Historisches Museum Basel. Jahresbericht und Rechnung des Vereins für das Historische Museum und für Erhaltung baslerischer Altertümer und der Kommission zum Historischen Museum Basel 1926, 38–49.